Er ist eine absolute Legende, sorgt seit Jahrzehnten für Begeisterung bei Besuchern von Volksfesten und Jahrmärkten in ganz Europa und hat eine enorme Strahlkraft für jeden Festplatz: Der Olympia Looping. Die größte transportable Achterbahn der Welt. 1989 ging sie auf dem Münchner Oktoberfest zum ersten Mal an den Start.
Nun kehrte sie, abgesehen von ihrem Stammplatz auf der Wies’n und nach einem längeren Gastspiel im Wiener Prater wieder auf eine Kirmes in Deutschland zurück, nach Hamburg. 14 Jahre ist es her, seitdem die Bahn auf dem Dom zuletzt gastierte. Hamburg kann sich in diesem Jahr sogar doppelt freuen, denn nach dem Auftritt auf dem Frühlingsdom, wird der Olympia Looping auch auf dem Sommerdom vom 24. Juli bis 30. August 2026 stehen.
Der Junior-Chef im Interview
Zu diesem besonderen Anlass hat LAURUS mit Michael Barth, Junior-Geschäftsführer des Olympia Loopings gesprochen, der auch für die Achterbahn „Die gesengte Sau“ und die Sau geilen Churros im Wiener Prater zuständig ist. Sein Großvater, Rudolf Barth, hatte die Idee für den Bau des „Fünfer Loopings“, der von dem Ingenieur Werner Stengel in Zusammenarbeit mit der Firma Anton Schwarzkopf realisiert wurde.![]() |
| Michael Barth ist Junior-Geschäftsführer des Olympia-Loopings |
LAURUS: Wie kam es eigentlich zu Ihrem Gastspiel im Wiener Prater?
Barth: Wir bekamen eine Anfrage vom Prater, da es dort eine leere Fläche gab, die glücklicherweise genau so groß war wie der Olympia Looping, keinen Meter größer. Als wir im Jahr 2016 in den Prater gekommen sind, haben wir uns gedacht, einfach mal schauen wie es so ist, das war ursprünglich geplant. Es war dann eine sehr schöne Veranstaltung. Seit 2020 haben wir mit der Firma Dostal einen Fuß in den Prater bekommen, mit der Achterbahn „Die gesengte Sau“ und 2024 haben wir noch vier weitere Parzellen im Prater übernommen, aus denen wir dann eine große Parzelle geschaffen haben. Dort wird in den nächsten Jahren noch eine größere Attraktion entstehen.
Wurden Sie von den österreichischen Schaustellern, die über viele Generationen im Wiener Prater stehen als „Auswärtiger“ gut aufgenommen?
Ja, am Anfang schon, weil wir einfach eine Bereicherung für den Wiener Prater waren. Als wir auf diese große freistehende Fläche kamen, wurden wir herzlich empfangen. Die Kollegen haben schon gemerkt, dass der Olympia Looping eine spektakuläre Attraktion und ein absoluter Publikumsmagnet ist. Es hat aber nicht jedem gefallen, vor allem einigen Anwohnern nicht, da wir 50 Meter neben einigen Häusern standen. Die Beschwerden hatten sowohl mit der Lautstärke als auch mit den Lichtverhältnissen zu tun, es war ein ständiger Kampf mit den Anwohnern.
Welche Maßnahmen haben Sie dann ergriffen?
Wir mussten einige sehr aufwändige und kostspielige Investitionen vornehmen. Da wäre vor allem die Installation einer Magnetbremse zu nennen, die reibungslos und dadurch auch geräuscharm ist. Bei der Rollentechnik haben wir auf weichere Rollen umgestellt, dadurch fiel das harte „klackern“ weg. Darüber hinaus wurden die Loopings ausgeschäumt. All diese Veränderungen die wir durchgeführt haben, sorgen für einen doppelten postiven Effekt: Zum einen ist es eine Aufwertung für die Achterbahn und zum anderen konnten wir die Anwohner beruhigen und durften somit an dieser Stelle im Prater weiterhin stehen.
Der Vertrag mit der Prater Wien GmbH hat welche Laufzeit?
Der Vertrag wurde von Jahr zu Jahr immer wieder verlängert.
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| Die größte transportable Achterbahn der Welt - gigantisch! |
Auf dem Areal, wo der Olympia Looping bisher stand, soll Wiens modernstes Musicaltheater gebaut werden. Ist somit eine Rückkehr für die Bahn ausgeschlossen?
Die Firma Admiral Novomatic hat damals mehrere Parzellen im Prater gekauft. Diese wurden alle zusammengeschlossen und dann abgerissen und es entstand eine große Baufläche. Auf diese Fläche passte der Olympia Looping dann wie bereits gesagt genau drauf. Ursprünglich war dort der Bau eines Spielcasinos geplant, dieses war aber aufgrund des Spielgesetzes welches zur damaligen Zeit in Kraft war, nicht möglich.
Ist Wien für Sie mittlerweile zur zweiten Heimat geworden?
Wien ist für uns definitiv interessant. Deshalb sind wir ja auch mit der Firma Dostal in Kontakt getreten um „Die gesengte Sau“ gemeinsam betreiben zu können und wir haben 2024 das nächste Grundstück übernommen, auf dem wir eine neue Attraktion präsentieren werden.
Wie schaffen Sie den Spagat zwischen dem Olympia Looping, der in diesem Jahr zum zweiten Mal in Hamburg stehen wird, Ihren Aktivitäten im Wiener Prater und es gibt ja auch noch den Freizeitpark Taunus Wunderland?
Ich war beispielsweise gestern noch um 12.35 Uhr in Wien, bin dort gestartet und jetzt um 14.10 Uhr in Hamburg. Das ist immer ein ständiges Pendeln, bedingt durch die großen Betriebe. Um den Freizeitpark kümmern sich die anderen Familienmitglieder gemeinschaftlich, mein Vater Otto Barth, meine Mutter Belinda Barth, aber in erster Linie mein Bruder Otto Barth jun.
Welche Neuigkeiten gibt es aus dem Schaustellerbetrieb Barth zu vermelden?
Das neue Terminal 3 am Frankfurter Flughafen wurde am 22. April 2026 feierlich eröffnet und am 23. April 2026 offiziell in Betrieb genommen. Zu diesen Feierlichkeiten hat unser Sonnenrad (Riesenrad der Familie Barth) dort gestanden. Ein Riesenrad am Flughafen: Eine einzigartige Veranstaltung, die es höchstwahrscheinlich so nie mehr geben wird.
Nach 14 Jahren kommt der Olympia Looping wieder zurück nach Hamburg. Was für ein Gefühl ist es für Sie, nach so vielen Jahren wieder in Hamburg zu sein?
Sie fragen theoretisch den Falschen, die Bahn war ja bereits in Hamburg, aber da war ich noch nicht verantwortlich für den Olympia Looping. Für mich persönlich ist es insofern interessant, dass ich mit dem Betrieb in eine neue Stadt komme und sehr gespannt bin, wie die Bahn von den Leuten hier so angenommen wird. Es ist spannend für mich, von unserem Betriebsleiter, Herrn Görgens, der über 40 Jahre im Unternehmen war, im Gespräch zu erfahren, dass es bei einem Gastspiel des Olympia Loopings in Hamburg im Frühjahr während der Aufbauphase sogar mal 20 cm Schnee gab. Glücklicherweise hatten wir diesmal in 14 Tagen Aufbauzeit nur einen Regentag.
Um in Hamburg Olympia Looping fahren zu können, müssen die Besucher tief in die Tasche greifen. Für eine Fahrt nehmen Sie 12,50 €. Wie kommen Sie auf diesen Preis?
Wir haben hochgerechnet, welche Kosten wir hier in Hamburg haben und welche Gästezahlen wir erwarten. Diese Kosten plus den Umsatz den wir erzielen wollen um die Bahn aufrecht zu erhalten, durch Transport, Mitarbeiter, Renovierungs- und Wartungskosten. Wir haben zwei KFZ-Mechaniker, 20 LKWs, 50 Transporte, ein Grundstück, dass bezahlt werden muss, wir haben Hallen, Lagerflächen, Gerätschaften, Werkzeuge usw.
Nach unserer Rechnung müssen wir genau diesen Preis erzielen. Wenn wir nur 9,00 € für eine Fahrt angesetzt hätten – mit den gleichen Gästezahlen – käme für uns ein Null-Geschäft heraus oder wir würden sogar ein Minus machen. Ich würde auch am liebsten 5,00 € für die Fahrt nehmen und dann die dreifache Menge fahren. Es ist ja möglich, denn der Olympia Looping hat eine sehr hohe Kapazität, aber die dreifache Menge werde ich hier nicht fahren, auch wenn der Preis so günstig wäre.
Wie geht die Tour vom Olympia Looping weiter in diesem Jahr?
Streng geheim! Ursprünglich war geplant, nur auf dem Sommerdom in Hamburg zu stehen. Es gab allerdings einen Ausfall. Ein Schaustellerbetrieb sollte mit einer neuen Achterbahn auf die Frühjahrsveranstaltung kommen, diese konnte aber noch nicht fertig gestellt werden. Da hat der Veranstalter uns gefragt, ob wir nicht auch im Frühjahr zu Gast sein möchten. Dann geht es natürlich weiter mit unserem traditionellen Auftritt auf dem Oktoberfest in München, vorausgesetzt wir erhalten von dort wieder einen Vertrag. Zum Abschluss der Spielzeit geht es dann erneut nach London zum Winter Wonderland.
Es wird für die Schaustellerbranche immer schwieriger in diesen Zeiten, die Kostenspirale dreht sich weiter nach oben, insbesondere was die Transport- und Energiekosten anbetrifft. Wie lange wollen Sie sich das noch antun?
Was soll man sagen. Natürlich kann man alles einfach aufgeben, aber das entspricht nicht unserer Mentalität, wir sind keine „Aufgeber“. Es ist wirklich nicht so leicht mit 50 Transporten quer durch Europa zu reisen. Aber solange es uns noch möglich ist, ziehen wir das weiter durch.
Ideal wäre natürlich gewesen, Sie hätten den Olympia Looping einfach auf dem Heiligengeistfeld stehen lassen können, dann würden für Sie keine zusätzlichen Auf- und Abbaukosten entstehen.
Das wäre nicht gegangen, da die Fläche bereits für andere Veranstaltungen im Sommer verplant ist. So bauen wir die Bahn nach dem Frühlingsdom ab, lagern sie im Norden ein und bauen dann wie die anderen Schaustellerkollegen auch für den Sommerdom wieder auf.
Wie sieht es mit anderen Plätzen in Deutschland aus, wie zum Beispiel Düsseldorf oder Crange, wo der Olympia Looping in der Vergangenheit bereits gestanden hat?
Es gibt viele interessante Veranstaltungen für uns, die wir im Hinterkopf haben. Wir müssen zuerst diejenigen anfahren, die am größten sind und die längste Spielzeit haben, um auf unsere Kosten zu kommen. Pützchens Markt beispielsweise dauert nur fünf Tage. Wenn die ganze Veranstaltung verregnet ist, oder auch nur drei Tage davon… dann haben wir ein Problem. Das schöne und lukrative für uns an den Plätzen mit langer Laufzeit ist, wenn schönes Wetter ist kommen die Leute und wenn schlechtes Wetter ist, kommen sie eben einige Tage später.
Sie mussten in Wien und in München zwei tragische Unfälle mit eigenem Personal verkraften. Was ist dabei genau vorgefallen?
Es handelte sich dabei in beiden Fällen um 100 prozentiges Fremdverschulden. Unsere Mitarbeiter erhalten alle eine 100 prozentige Unterweisung. Der Olympia Looping ist zu 100 Prozent sicher. Er wurde in den letzten Jahren von drei unterschiedlichen TÜV-Einrichtungen geprüft, einmal von Ziviltechnikern in Österreich, dann vom TÜV Süd in Deutschland und in England von Prüfern mit ADIPS-Zulassung.
In Wien ereignete sich das Unglück während der Veranstaltung. Obwohl alle Türen verschlossen waren, ist die Mitarbeiterin über einen Zaun geklettert. In München auf dem Oktoberfest passierte es während der TÜV-Abnahmen, wo wir als Betreiber, meine Mitarbeiter als unterwiesene Techniker und sogar noch der TÜV München dabei waren. Alle Mitarbeiter wurden unterwiesen, den Gefahrenbereich zu verlassen. Trotzdem ist ein Mitarbeiter in den Schienenbereich gesprungen. Vermutet wird, dass er während der Pausenzeit sein Handy dort vergessen hatte und dieses noch schnell holen wollte. Dabei hat er den fahrenden Zug nicht beachtet.
Vielen Dank für das Interview. Wir hoffen, dass der Olympia Looping den Kirmes-Fans auch in den nächsten Jahren auf den unterschiedlichen Veranstaltungen erhalten bleibt.
Ich hoffe auch. Wir sind, wie sie ja gehört haben jederzeit dran, Rollen, Bremstechnik, Antriebstechnik… Vor zwei Jahren haben wir die komplette Elektrotechnik, von den Motoren bis zur Steuerung von der Firma Gerstlauer neu bekommen. Wir reden hier von 1 Mio. Euro. Dafür kaufen sich andere Schausteller ein komplettes Fahrgeschäft. Ich kann mich seitdem an keine Störung erinnern, außer es handelt sich um ein Bauteil, wenn z.B. ein Sensor einen Baufehler hat.
Die Firma Gerstlauer ist im übrigen der Marktführer bei Achterbahnen und bekannt für ihre Genauigkeit, Präzision und Zuverlässigkeit. Ich kann mein Team ganz beruhigt vor Ort allein lassen, wenn sie die Gäste im Eingangsbereich empfangen und dann auch bei der Abfertigung und Steuerung der Züge. Es gibt keine Ausfälle, da die Elektrotechnik wirklich vom Feinsten ist. Da käme beim Olympia Looping niemals etwas anderes in Frage, entweder das Beste oder gar nichts.
Mai 2026. Text: Dominik A.J.Sourek/ LAURUS
Copyright Fotos: Sourek/LAURUS



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